So lehren wir
Wie KIdemie lehrt — und warum es wirkt
Tage später wussten die Abgefragten mehr als die Wiederleser: so maßen es Roediger und Karpicke (2006). Darauf baut jede Lektion.
Abrufübung
Was die Forschung sagt
Roediger und Karpicke (2006) fassen ihre Versuche so zusammen: „Testing is a powerful means of improving learning, not just assessing it.“ — eine Abfrage misst nicht nur, was jemand weiß, sie festigt es auch.
Studierende lasen Sachtexte und wurden danach entweder abgefragt oder lasen erneut; „on the delayed tests, prior testing produced substantially greater retention than studying“ — Tage später wussten die Abgefragten mehr als die Wiederleser.
QuelleRoediger, H. L., & Karpicke, J. D. (2006). Test-Enhanced Learning: Taking Memory Tests Improves Long-Term RetentionPsychological Science 17(3), 249–255
So machen wir es
Prüffrage je Lektion (Schritt „Prüfen“): erst selbst antworten, dann die Auflösung.
Prüffrage aus „Raten wird belohnt“
Warum raten Sprachmodelle oft, statt „weiß ich nicht“ zu sagen?
- Weil die meisten Bewertungen nur richtig oder falsch zählen und Raten bei Unsicherheit damit Punkte bringt.
- Weil ihre Trainingsdaten absichtlich Fehler enthalten.
- Weil Modelle ohne Internet grundsätzlich nichts wissen.
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„Raten wird belohnt“ · 12 minProbelektion, ohne Konto
Verteiltes Üben
Was die Forschung sagt
Cepeda u. a. (2006) fassen in einer Metaanalyse viele Einzelversuche zusammen: „This review found 839 assessments of distributed practice in 317 experiments located in 184 articles.“ — der Befund ruht auf vielen Messungen, nicht auf einem einzelnen Versuch.
Die Metaanalyse findet, dass „the ISI producing maximal retention increased as retention interval increased“ — je länger man etwas behalten will, desto größer sollte der Abstand zwischen zwei Lerndurchgängen (ISI, interstudy interval) sein.
QuelleCepeda, N. J., Pashler, H., Vul, E., Wixted, J. T., & Rohrer, D. (2006). Distributed Practice in Verbal Recall Tasks: A Review and Quantitative SynthesisPsychological Bulletin 132(3), 354–380
So machen wir es
„Kurz auffrischen“: ruht ein Kurs 7 Tage oder länger, stehen in „Deine Kurse“ drei Prüffragen daraus.
Kurz auffrischen · „Was ein Sprachmodell tut“
- Warum kostet derselbe Inhalt auf Deutsch meist mehr als auf Englisch?
- Was zählt alles zum Kontextfenster einer Antwort?
- Warum nennt ein Modell einen seltenen Geburtstag oft falsch, obwohl er einmal im Training stand?
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Das ganze Werkzeug gehört zur Lizenz. In der freien Lektion erleben Sie den Teil, auf dem es aufbaut.
„Text rein, Text raus: Sprachmodell und Token“ · 12 minProbelektion, ohne Konto
Selbsterklären
Was die Forschung sagt
Chi u. a. (1994) berichten: „Without any extensive training, 14 eighth-grade students were merely asked to self-explain after reading each line of a passage on the human circulatory system.“ — eine Vergleichsgruppe las denselben Text zweimal, ohne Aufforderung.
Ergebnis laut Zusammenfassung: „The prompted group had a greater gain from the pretest to the posttest.“ — wer zum Selbsterklären aufgefordert wurde, legte zwischen Test vorher und Test nachher mehr zu.
QuelleChi, M. T. H., de Leeuw, N., Chiu, M.-H., & LaVancher, C. (1994). Eliciting self-explanations improves understandingCognitive Science 18(3), 439–477
So machen wir es
Modell-Check am Kursende: das Kurs-Modell in eigenen Worten und an einem neuen Fall.
Schritt „Einordnen“ aus „Text rein, Text raus: Sprachmodell und Token“
Das Modell nimmt Token und rechnet das nächste aus — Wissen im Sinn von Nachschlagen steckt darin nicht.
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Kognitive Belastung
Was die Forschung sagt
Sweller, van Merriënboer und Paas (2019): Die Theorie betont, dass „all novel information first is processed by a capacity and duration limited working memory and then stored in an unlimited long-term memory for later use“ — Neues passt nur in kleinen Mengen gleichzeitig ins Arbeitsgedächtnis.
„Once information is stored in long-term memory, the capacity and duration limits of working memory disappear transforming our ability to function.“ — was einmal sitzt, belastet nicht mehr; darum lohnt es, Grundlagen zuerst zu festigen.
QuelleSweller, J., van Merriënboer, J. J. G., & Paas, F. (2019). Cognitive Architecture and Instructional Design: 20 Years LaterEducational Psychology Review 31, 261–292
So machen wir es
Fünf Schritte je Lektion (Ziel, Erklären, Mitmachen, Prüfen, Einordnen), ein Baustein je Lektion, 12–14 Minuten.
Fünf Schritte in „Wo das Modell läuft: Gerät, eigenes Haus, Anbieter“
- Ziel1 min
- Erklären3 min
- Mitmachen5 min
- Prüfen2 min
- Einordnen1 min
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„Wo das Modell läuft: Gerät, eigenes Haus, Anbieter“ · 12 minProbelektion, ohne Konto
Mentales Modell
Was die Forschung sagt
Chi u. a. (1994) maßen Verständnis auch am inneren Bild: „Understanding was further captured by a mental model analysis of the self-explanation protocols.“ — ausgewertet wurde, welches Modell des Blutkreislaufs die Lernenden beim Erklären zeigten.
„High explainers all achieved the correct mental model of the circulatory system, whereas many of the unprompted students as well as the low explainers did not.“ — wer viel selbst erklärte, kam beim richtigen Modell an, viele andere nicht.
QuelleChi, M. T. H., de Leeuw, N., Chiu, M.-H., & LaVancher, C. (1994). Eliciting self-explanations improves understandingCognitive Science 18(3), 439–477
So machen wir es
Kurs-Modell in einem Satz und drei bis fünf Bausteine; jede Lektion sagt im Schritt „Einordnen“, wo ihr Baustein ins Modell passt.
Ein Modell erfindet, weil Raten beim Lernen und Bewerten belohnt wird — darum hilft nur, Quellen zu verlangen und selbst zu prüfen.
- HalluzinationDie Antwort klingt glatt und sicher, aber eine Angabe lässt sich nirgends finden.
- Typische Fehler beim PromptenDie Frage setzt etwas Falsches voraus, und das Modell beantwortet sie trotzdem.
- Gegenmittel gegen HalluzinationDas Modell soll wörtlich zitieren, Quellen nennen und „weiß ich nicht“ sagen dürfen.
- Leitlinien für die BundesverwaltungDie Verantwortung für das Ergebnis bleibt beim Menschen, der es verwendet.
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Lösungsbeispiel
Was die Forschung sagt
Sweller u. a. (2019): „worked examples aim to reduce the cognitive load caused by conventional problems and to facilitate knowledge construction“ — das Beispiel nimmt die Suche nach dem Lösungsweg ab, damit Platz zum Verstehen bleibt.
Die Grenze nennen die Autoren selbst: „Worked examples are less effective for high-expertise learners“ — wer sich schon auskennt, gewinnt durch Beispiele weniger.
QuelleSweller, J., van Merriënboer, J. J. G., & Paas, F. (2019). Cognitive Architecture and Instructional Design: 20 Years LaterEducational Psychology Review 31, 261–292
So machen wir es
Erklärstil „Beispiel zuerst“ (ein Fall aus dem Büro, dann die Regel) und die Werkstatt-Übung mit aufgezeichneten Antworten.
Erklärstil „Beispiel zuerst“ aus „Text rein, Text raus: Sprachmodell und Token“
Du schickst dieselbe kurze Mail einmal auf Deutsch und einmal auf Englisch an ein Modell. Die deutsche Fassung zählt mehr Token, obwohl sie gleich viel sagt.
Der Grund: Deutsch braucht je Wort mehr Token als Englisch — in einer Messung 2,12 statt 1,39 Token je Wort.
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Rückmeldung
Was die Forschung sagt
Hattie und Timperley (2007): „Feedback is one of the most powerful influences on learning and achievement, but this impact can be either positive or negative.“ — Rückmeldung kann auch schaden; es kommt auf die Art an.
Gute Rückmeldung beantwortet drei Fragen: „Where am I going? How am I going? and Where to next?“ — Ziel, Stand und nächster Schritt.
QuelleHattie, J., & Timperley, H. (2007). The Power of FeedbackReview of Educational Research 77(1), 81–112
So machen wir es
Auflösung der Prüffrage mit Begründung und Quelle; „Hilf mir“ in drei Stufen (anders gesagt, Beispiel, Lösung) je Schritt.
Prüffrage aus „Raten wird belohnt“
Warum raten Sprachmodelle oft, statt „weiß ich nicht“ zu sagen?
- richtigWeil die meisten Bewertungen nur richtig oder falsch zählen und Raten bei Unsicherheit damit Punkte bringt.
- Weil ihre Trainingsdaten absichtlich Fehler enthalten.
- Weil Modelle ohne Internet grundsätzlich nichts wissen.
Warum Ein Modell, das bei Unsicherheit immer rät, schlägt unter 0-1-Bewertung ein gleiches Modell, das ehrlich „weiß ich nicht“ sagt. Und selbst fehlerfreie Trainingsdaten verhindern Fehler nicht.
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„Raten wird belohnt“ · 12 minProbelektion, ohne Konto
Lerntechniken im Vergleich
Was die Forschung sagt
Dunlosky u. a. (2013) bewerten zehn Techniken: „Practice testing and distributed practice received high utility assessments because they benefit learners of different ages and abilities“ — Selbstabfragen und verteiltes Üben halfen breit, über Alter und Vorkenntnisse hinweg.
„Five techniques received a low utility assessment: summarization, highlighting, the keyword mnemonic, imagery use for text learning, and rereading.“ — Markieren und Wiederlesen, die viele bevorzugen, gehören dazu.
QuelleDunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving Students’ Learning With Effective Learning Techniques: Promising Directions From Cognitive and Educational PsychologyPsychological Science in the Public Interest 14(1), 4–58
So machen wir es
KIdemie setzt auf Abfragen und Wiederholen statt Markieren und Wiederlesen.
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„Text rein, Text raus: Sprachmodell und Token“ · 12 minProbelektion, ohne Konto
Was wir nicht behaupten
Wir sagen nicht, dass Sie bei uns schneller lernen als anderswo: die Studien unten maßen andere Menschen mit anderem Stoff, und wir haben es an unseren Kursen nicht gemessen. Wir sagen auch nicht, dass es Lerntypen gibt, für die wir den Stoff zuschneiden.
Was die Forschung sagt
Pashler u. a. (2008) beschreiben die verbreitete Passungs-Annahme so: Unterricht sei am besten, wenn „instruction is best provided in a format that matches the preferences of the learner“ — etwa Bilder für jemanden, der sich für einen visuellen Lerntyp hält.
Ihr Befund: „we found virtually no evidence for the interaction pattern mentioned above, which was judged to be a precondition for validating the educational applications of learning styles“ — der Versuchsaufbau, der die Annahme stützen müsste, fand kaum einen Beleg.
Ihr Schluss: „there is no adequate evidence base to justify incorporating learning-styles assessments into general educational practice“ — Lerntyp-Tests als Grundlage für Unterricht sind nicht gerechtfertigt; dass Menschen Vorlieben äußern, bestreiten sie nicht.
QuellePashler, H., McDaniel, M., Rohrer, D., & Bjork, R. (2008). Learning Styles: Concepts and EvidencePsychological Science in the Public Interest 9(3)
So machen wir es
Die drei Erklärstile (Beispiel zuerst, Regel zuerst, Als Bild) sind ein Angebot, keine Typ-Diagnose; umschalten geht jederzeit.
Drei Erklärstile, jederzeit umschaltbar
- Beispiel zuerst — Ein Fall aus dem Büro, dann die Regel
- Regel zuerst — Erst die Regel, dann der Fall
- Als Bild — Ein Schaubild, Schritt für Schritt